Totenstille

Mit dem Tod habe ich mich bereits als Kind schon sehr früh beschäftigt. Ich habe mich damals gefragt wie er kommt, was danach sein wird und ob es danach noch Leben geben wird. Seitdem lässt der Tod mich nicht mehr in Ruhe. Mittlerweile hat sich daraus fast eine Sehnsucht danach entwickelt, die Sehnsucht nach dem eigenen Tod. Nichts erscheint mir erlösender, befreiender von all diesem Schmerz als er.
Ich kann mich nicht beklagen, meine Kindheit verlief mit ein paar Sonderheiten einwandfrei. Zwar besaß ich nie Freunde - bzw, jene die ich besaß ..verlor ich durch ihren Umzug, durch Klassenwechsel, Schulwechsel und so weiter eben, aber ich war trotzdem immer glücklich. Ich brauchte nie viel um glücklich zu sein. Immerhin hat mir das Leben genug gegeben um es zu lieben. Vielleicht habe ich alles zu hastig an mich genommen, im Rausch des Lebens....so dass nun nichts mehr davon übrig ist. Meine Jugend verbrachte ich zwar überwiegend am Computer, was mein eigener Wille war, denn dort war ich einfach glücklicher, besaß aber trotzdem in der realen Welt meine treuen Freunde die ich regelmäßig besuchte. Im Netz traf ich auch erstmals auf Menschen die mir ähnlich waren, die mich verstanden...oder zumindest glaube/glaubte ich dies. Man verliebte sich und die Welt erschien auf einmal noch großartiger als sie vorher war. Man stoß auf erwiederte Liebe, was gibt es schöneres, was gibt es schlimmeres als Liebe? Man wird durch sie Blind...vergisst was in der Welt passiert, vergisst wer man ist, was man ist...vergisst was vor seiner eigenen Haustür passiert, denn alles was zählt bist nur noch du und ich. Ist das richtig?
So wie es in jedem Leben wohl kommt, vergeht auch der Liebesrausch irgendwann. Man stellt sich Fragen wie...war es die Große Liebe? Kann das wirklich Liebe gewesen sein, die doch nur so kurz hielt? Wieso konnte es nicht funktionieren? Woran sind wir wirklich gescheitert?
Und danach geht man einfach seinen Weg weiter. Allein.
Man sieht also...mein Leben hebt sich nicht von all den anderen ab, mein Leben ist genauso langweilig, unbedeutend und klein wie jedes andere.
Doch es nicht das Leben das mich krank macht, es sind meine Gedanken. Mein elendiger Kopf der mich soviele Fragen stellen lässt, der so vieles nicht verstehen kann, der die Freude der Menschen nicht mehr nachvollziehen kann. Ich bin Allein.
Ich bin allein weil ich mein Leben verlor. Mein Leben war nicht viel, es waren nur jene Menschen die ich so sehr geliebt habe, jene Menschen die ich letztendlich verraten habe....weil ich sie viel zu fest hielt, in Panik sie könnten verschwinden...was sie dann taten.
Sagt mir, was ist euer Leben wenn nicht das was ihr liebt? Sicherlich gibt es jene Verstandsmenschen die für etwas anderes Leben...ich beneide sie sogar...mit Verstand lebt es sich ab und zu vllt. leichter.
Ich frage mich wann diese Schuldgefühle weggehen werden.....ob sie es jemals überhaupt tun? Manche Menschen leben damit ihr Leben lang....dementsprechend sieht ihr Leben auch aus. Ich habe Angst davor das alles jetzt schon vorbei ist...Ist das möglicherweise ein Sterbezustand im übertragenem Sinne? Habe ich mich womöglich selbst umgebracht? Sterbe ich? Werde ich meine weiteren Jahre einfach "tot" weiterleben? Vor mich hinvegetieren, weil es für mich nichts mehr gibt wofür es sich zu kämpfen lohnt?
Ich schaue mir social communities an.... Facebook, Myspace...und was es noch alles gibt, überall das gleiche. Überall die selben Menschen. Überall diese fröhlichen, nichts denkenden Wesen. Wie machen sie das? Wie können sie nicht zerbrechen an der Welt, an sich selbst und allem anderem? Ich sehe nur Dummheit, Blindheit, Blasphemie, Wahnsinn, Übermut, Geiz, Sucht....Sucht mehr haben zu wollen als man braucht. Manchmal wünsche ich mir so zu sein wie sie es sind. Dumm aber glücklich. Ein Hirn das nicht denkt, sondern lacht, das lebt aber nicht fragt.
Was passiert mit uns wenn wir es allein nicht schaffen klar zu kommen? Man lehrte uns mit allem selbst zurecht zu kommen, aber was ist wenn wir es nicht können und niemand mehr da ist, der dir hilft? Ich lüge, lüge jeden Tag. "Wie geht es dir" fragen sie, ich antworte "passt schon". Sie fragen "und was gibts so in deinem Leben neues?" ich sage" nichts, das übliche langweilige halt." Gespräch beendet. Was wirklich abgeht will niemand wissen. Darum halten wir uns auch immer mehr fern von Menschen die wirkliche Probleme haben. Wir sind viel zu egoistisch um ihnen helfen zu wollen, sollen sie doch selbst klar kommen. So...denke...oder dachte ich auch einmal.
Noch immer halte ich daran fest das es mir in erster Linie am wichtigsten ist, jene Personen..die mir mein Leben bedeutet haben, die ich verraten habe, glücklich zu sehen. Dass sie ihren Weg finden so zu Leben wie sie es möchten... auch wenn es schmerzt dadurch mit ansehen zu müssen, zu begreifen, das in dieser Zukunft kein Platz mehr für einen ist. Es tut weh mit ansehen zu müssen wie man sich entfremdet und nichts dagegen tun zu können. Ich möchte einen Backstein auf sie werfen, wo drauf steht "ich brauche dich", damit sie verstehen wie sehr diese Worte schmerzen.
Ich habe keine Kraft mehr, keine Kraft mehr mich aufzusetzen und für etwas zu kämpfen das es niemals gab. Keine Motivation mehr aufzustehen um einen Schritt mehr in die Einsamkeit zu gehen. Es ist nicht mehr untertrieben wenn ich sage, dass ich niemanden habe. Denn ich habe nun wirklich niemanden mehr. Manch einer wünscht sich das, weg von den Menschen zu sein. Manch einer wünscht sich...von niemanden gebraucht zu werden.  Ich aber habe das niemals gewollt.
Wie geht es jetzt weiter? Wie soll ich Menschen finden die mich verstehen, die mir eine Chance geben für das was ich bin, wenn ich mir selbst keine Chance gebe und mich isoliere? Soviel Angst habe jene nocheinmal zu verlieren, die ich schon verloren hatte. Wie soll ich etwas aufrecht erhalten was nicht mehr in meinen Händen liegt? Wie kann ich kämpfen wenn ich nichts mehr zum kämpfen habe?
ich liege am Boden und schlafe. Ich liege am Boden un schlafe und Träume. Ich liege am Boden und schlafe und Träume mein Leben, wie es hätte sein können, wie es hätte sein können in einem anderen Leben...wie es hätte sein können, wenn ich gewisse Entscheidungen anders gefällt hätte. Ich schlafe zuviel.
Ich hätte nie gedacht dass diese neugebauten Mauern einreißen könnten. Ich war so überzeugt...das alles ein gutes Ende finden würde, so überzeugt von mir und von dem in was ich mich entwickelte...und was ich hinter mir lies. Ich war so glücklich, ich hatte alles was ich brauchte. Für eine kurze Zeit. Das vergesse ich niemals. Jetzt kommt es mir so vor als hätte es das alles gar nicht gegeben. Bin wieder am Anfang. Man sagte mir, dass ich mich niemals ändern werde....wie will man mich denn geändert haben? Ich habe nur eine einzige Sache geändert, jene die mir alles genomme hatte...vllt. sollte ich noch weitere Sachen ändern z.B, dass ich nicht mehr faul sein soll, nicht mehr traurig sein soll, nicht mehr nachdenken soll....aber kann ich denn wissen ob sich das ändern wird? Will ich das sich das ändert? Mein einzigster Wunsch war nur, dass ich jene Sache an mir ablege, die ich am meisten gehasst habe...und das ist mir gelungen..alles andere kann warten. Hierrauf war ich stoz, nur dass ich es als einzigste sah. Wie auch immer, ich kann nicht verlangen, dass jemand etwas sieht, wenn er nicht einmal vermag zu hören.
Ich atme langsam nicht mehr, schlafe ein.....und es ist Totenstill. Wache auf....und es ist Totenstill. Wer bin ich? Und wer bist du? Seit wann kann Stille so still sein? Wer hat uns erzählt, dass wir auf die Welt kommen um zu leiden? Ich verstehe das Leben nicht mehr.

 

14.12.11 20:49
 
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